XC - XC in Thüringen

Unser vereinseigener Meteorologe Torsten rief mich am Donnerstag an und machte auf die gute Wetterlage des nächsten Tages aufmerksam.

2-4 m/sec aus SO-S, Zwischenhocheinfluss, labile Luft, ein perfekter Gradient und kaum Höhenwind wären ideal für einen Besuch am Jenzig Süd.
Gesagt, getan. Gegen 12 Uhr starten wir am Karfreitag von Leipzig aus in die Universitätsstadt an der Saale, im Gepäck neben den Schirmen und der Tagesverpflegung auch eine durchaus hohe Erwartungshaltung.

RASP_Karfreitag
Die ersten zwei Schirme heben bei unserem Eintreffen am Parkplatz bereits ab, haben aber noch arg zu kämpfen und landen zwischen. Wir sind also pünktlich :-).
Mit geschulterten Flugzeugen geht es durch bilderbuchhafte Xerothermrasenvegetation die 180 Höhenmeter hinauf zum Startplatz. Der aktive Kern des Jenaer Clubs ist bereits startklar, muss sich jedoch heute in Geduld üben, denn die thermischen Ablösungen kommen noch nicht zuverlässig.

Warten

Wer es aber geschafft hat, direkt in einen Bart hinein zu starten, befindet sich - wie heute der Erfurter Christian als erster - schnell an der Wolke und kann mit dem Kilometerfressen beginnen. Eine tolle Show für die zahlreichen interessierten Wanderer, denen unter anderen auch ich eine Kurzeinweisung in unseren faszinierenden Sport (nein, es ist mehr!) geben durfte.

Schwierig, schwierig. Zum Soaren reicht der Wind nicht und wer glaubt, dass es doch ginge, steht 5 Minuten später am Landeplatz. Also in Geduld üben, die Phasen zwischen den Thermiken erkennen, nochmal Pinkeln gehen, langsam fertig machen.
Torsten macht seinen ersten Flug des Tages bis zum östlichen Ende des Jenzig, muss dort aber leider feststellen, dass der Hausbart im Osterurlaub ist. Egal, airtime ist airtime und der Aufstieg dauert ja nicht so lang wie in den Alpen.

Mittlerweile ist es 16.30 Uhr geworden, Torsten und Alex sind am Startplatz eingetroffen, ich stehe/liege schon seit über einer Stunde startklar am Hang und beobachte, bereits leicht resignierend, die Absaufer der anderen. Immer wieder ziehen teils heftige Ablösungen durch, die ein Starten nur in der Anfangsphase zulassen, und der Wind hat einen bedrohlichen Westanteil bekommen. Okay, ich rappel mich aus meinem Standby-Modus auf und entscheide, die nächste Phase zu nutzen. Und wenn es nur ein Abgleiter wird, ist's auch okay. Hauptsache, nicht runterlaufen!

Der Windsack strafft sich, es beginnt zu fauchen, keine Sekunde verlieren, aufziehen, ausdrehen, raus.
Yippiieeehh!!! Wir sind im Fahrstuhl zu den Wolken! Wir? Bob, Stephan, Torsten und ich haben den gleichen Lift gewählt und ziehen - gemeinsam kreisend - der Basis entgegen. Eine halbe Stunde vergeht, dann treffen wir uns auf 2456 m NN bei eiskalten minus 10 Grad und einer Fernsicht, die ... unbeschreiblich schön ist, wieder. "Unser" Lippendorfer Kraftwerk scheint zum Greifen nahe (60 km Luftlinie), Jena liegt ganz klein zu unseren Füßen, man kann die Dornburger Schlösser sehen, Ortschaften wie im Miniaturwunderland liegen verstreut in der Landschaft ... und Torstens Kamera macht von all dem leider keine Fotos, da sie den Kälteschock wohl nicht verkraftet und sich in den Winterschlaf verabschiedet hat. Die Fotos werden dann (hoffentlich bald) mit meiner neuen Kamera bei einem weiteren Flug nachgereicht ;-)).

Jenzig von oben

Was macht man nun mit soviel Höhe unter dem Allerwertesten? Auf freie Strecke gehen ist eine Möglichkeit, ein Dreieck fliegen die andere. Da meine Erwartungen schon übererfüllt wurden - ja, ich habe dort oben mehrfach laut gejubelt - entscheide ich mich für Option 2. Nicht zuletzt, weil auch das Auto unten steht. Torsten kann ich noch ein paarmal sehen, bereits mit Kurs Richtung Lippendorf, bevor er aus meinem Gesichtsfeld endgültig verschwindet. Guten Flug!

Meine kleine Runde um den Feldherrenhügel zeichnet ein nettes FAI in die Landschaft, das heute nicht unbedingt hätte größer sein müssen, da die Finger bereits ziemlich klamm sind. Von Osten kommend, wird der Jenzig erstmalig abgeflogen und schließlich Kurs Richtung Landeplatz gehalten. Alex ist schon am Zusammenpacken, als ich 17.41 Uhr wieder festen Boden unter den Füßen habe.

Kurze Zeit später ruft ein hörbar frierender Torsten an und gibt mir seinen Standort durch. Er hat es bis zur Autobahn bei Osterfeld geschafft. Glückwunsch! Im Sonnenuntergang mache ich mich auf den Heimweg und lade unseren Streckenflieger an der A9-Abfahrt "Droyßig" ins warme Auto.

Ein perfekter Tag geht zu Ende. Das war er übrigens auch in Torgau-Beilrode, wo heute fleißig der fliegerische Nachwuchs erste Thermikerfahrungen schnuppern durfte.

Die Temps des Tages: