XC - Rennstrecke Böhlen

Sonntag, 18.07.2010 - bei mir zu Hause

Heute habe ich endlich meinen letzten Nachtdienst und dann zwei Tage frei. Schade nur, dass Thomas montags immer seinen Ruhetag einlegt. Aber für Dienstag könnte ich mich ja schon mal für's Fliegen anmelden.

Sonntag, 18.07.2010 -
irgendwo im weltweiten Netz

Genauer auf www.klink-dich-aus.de --> Online Helmreihe...
Dort lese ich ein wenig überrascht...

[...] "Montag, 19.07.2010 von 13.00 bis 21.00 Uhr Flugbetrieb geplant, Flugplatz Boehlen"
Aha! Wieso jetzt das? Ein paar Klicks weiter...

Segelflugwetterbericht fuer Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thueringen,
ausgegeben von der Luftfahrtberatungszentrale Suedost
am Sonntag, dem 18.07.10, 19 Uhr,
gueltig fuer Montag, den 19.07.10

Schlagzeile:
Gute bis sehr gute Cumulusthermik


Noch ein paar Klicks...
Thermikprognose: Bis zum späten Nachmittag bis 2,4 m Steigen und Basishöhen um die 1800 m, wenig Wind aus Ost

Gut! Also früh schnell Dienstübergabe und nach dem Nachtdienst nicht noch lange quatschen sondern schnell nach Hause und noch ein paar Stunden Schlaf tanken, dann ab zum Flugplatz bei Böhlen.

Montag, 19.07.2010 - Flugplatz Böhlen

Etwa 13.30 Uhr komme ich am Flugplatz an. Philipp erkenn ich am Schirm, der verschwindet gerade in Richtung Wolkenbasis. Schnell allen einen guten Tag gewünscht und dann den Schirm aus dem Auto geholt und startklar gemacht. Noch ein bissel Wasser in den Trinksack und schon kann es los gehen. Schöner Start und anschließend ein ruhiger Schlepp. Kein gutes Gefühl was das Wegkommen betrifft. Nach dem Klinken mäßiges Sinken, welches stellenweise von stärkerem Sinken abgelöst wird. Doch nach etwa 5 Minuten hat das Ganze ein jähes Ende. Ich stehe wieder am Boden! Mist...

Torsten möchte auch mal einen Versuch starten und braucht eine Ablösung auf der Winde. Die nächsten Schlepps beobachte ich aus der Position des Windenfahrers, werde aber auch ziemlich schnell wieder abgelöst. Keiner kommt weg, nur Andreas hängt circa eine halbe Stunde über dem Platz. Mal wieder typisch für die A-Schein-Schüler...

15.50 Uhr - Seil anziehen! Ich stehe wieder am Startplatz und schwitze im Overall. Langsam strafft sich das Schleppseil und es erfolgt wieder ein sauberer Start. Im Schlepp dann gleich das erste Hammersteigen, ist mir aber mit 100 m noch zu tief um zu klinken. Also bleib ich am Seil. Dann der nächste Bart mit etwa 6 m/s Steigen am Seil. Bei so 300 m über Grund traue ich mir auch zu klinken. Leider hängt der Schirm ziemlich weit hinter mir und so versuche ich dem Windenfahrer durch Beingrätschen Zeichen zu geben. Dauert aber ein wenig bis Thomas das erkennen kann und so klinke ich kurz hinter dem Bart und werde auch gleich mit dem "Bösen Ton" aus dem Vario belohnt, welcher Sinken über 2,5 m/s anzeigt. Ich drehe nach links ab, in die Richtung aus der die Ablösung vermutlich kommt, und fliege die Schleppstrecke ein Stück zurück. Dann meldet sich das Vario auch wieder, diesmal mit dem "Guten Ton" wenn auch zunächst nur zögerlich. Aber im Flachland heißt es nun mal Geduld haben und auch 0,5 m/s Steigen mitnehmen. Langsam geht es nach oben und in Richtung Zwenkau. Über der Brückenbaustelle der B2 ist es dann an der Zeit, eine Entscheidung zu treffen.

Weiterkämpfen und damit weiter in Richtung Zwenkau versetzt werden, oder die Höhe nutzen um sicher zum Startplatz zurück zu kommen. Ich entscheide mich für das Weiterkämpfen und nehme bewusst in Kauf, auch in Kürze wieder am Boden zu stehen und 2 oder 3 Kilometer zurück laufen zu müssen.

Entscheidung getroffen; also weiter! So etwa 500 m unter mir fährt ein Radlader über die Baustelle und der aufgewirbelte Staub formiert sich doch prompt zu einem Dustdevil. Nichts wie da hin, um dann hoffentlich weiter nach oben zu kommen. Ich fliege in die aufsteigende Luft ein und ziemlich holprig geht es weiter. Aber so richtig durchziehen will es hier auch nicht. Kalle über mir legt mal das eine und dann auch das andere Ohr an, hält aber brav die Höhe und steigt sogar ein wenig. Endlich ist mir auch ein guter Name für meinen Schirm eingefallen! Sicher will er nur den noch am Platz bereits startfertig auf der Wiese liegenden Schirmen winken. Oder ist das seine Art mir zuzuzwinkern? Rechts neben der B2 liegt das Gewerbegebiet von Zwenkau mit einigen verlockend aussehenden Hallen. Dort fliege ich als nächstes hin und es gelingt mir wieder, mich ohne großen Höhenverlust weiter an der B2 entlang zu mogeln. Einer der Bärte riecht stark nach Teer oder Asphalt fällt mir dabei auf, es holpert weiter und Kalle winkt auch weiter mit den Ohren.

Start
Etwas unterhalb der Bildmitte am Waldrand ist der Startplatz

An der Kreuzung neben der Tankstelle hoffe ich dann, endlich bis zur Basis aufdrehen zu können und weiter oben ruhigere Bedingungen vorzufinden. In so etwa 1000 m Höhe verabschiedet sich dann plötzlich meine linke Pobacke nach unten. Ich werfe mich nach rechts, schaue zu Kalle nach oben, um mit ihm zu schimpfen und bin ein wenig überrascht, circa 1/3 des Flügels immer noch eingeklappt zu sehen. Sonst war der immer längst wieder offen bis ich Zeit hatte nach dem Schirm zu sehen. Aber langsam und zuverlässig geht er unter meinem wachsamen Blick wieder auf und hält dabei auch gut die Flugrichtung. Der Bart ist aber weg. Und ich im heftigsten Sinken. Also Beschleuniger durchtreten und weiter zur nächsten Ortschaft. Die heißt Rüssen-Kleinstorkwitz und hat scheinbar ein Herz für Gleitschirmflieger, schickt sie mich doch endlich auf den höchsten Punkt meines Fluges. Bei 2100 m MSL ist die Basis erreicht und ich beschließe, mal ein paar Fotos zu machen und mich ein wenig zu entspannen.

Wenn die ganzen kleinen Menschen da unten doch wüssten, wie gut ich mich gerade fühle!

Segelflieger
Segelflieger im Anflug!

Kaum habe ich die Kamera wieder verstaut, schießt ein Segelflieger heran und beginnt mich zu umkreisen. Also Kamera wieder raus und noch ein paar Bilder nachgelegt. Ganz auf Augenhöhe kommt der Segler dann aber nicht; noch so etwa 50 - 100 m unter mir, zieht er weiter in Richtung Süden. Ich dagegen hänge immer noch unter meiner Wolke und habe auch keine Probleme mich da zu halten. Doch wie nun weiter? Eigentlich heißt es ja, an der Wolke bleiben bis diese zerfällt - aber dieses Exemplar hier scheint sich überhaupt nicht zu bewegen und hier bleiben will ich ja auch nicht.


Mit einer komfortablen Höhe unter dem Hintern verfolge ich also den Segelflieger und setze mir als nächstes Ziel die Stadt Pegau. Pegau hatte ich mir schon vor einiger Zeit als Wendpunkt für ein FAI-Dreieck ausgesucht und so hoffe ich, von hier nach Osten abdrehend, über Groitzsch und Neukieritzsch entlang der B176 Borna zu erreichen. Vor Pegau treffe ich dann wieder auf schönes Steigen, welches aber in Richtung Süden zieht.
Doch kein Dreieck? So richtig entscheidungsfreudig bin ich in dem Punkt nicht und probier immer mal wieder aus, mit welcher Geschwindigkeit ich gegen den Wind vorankomme. So 20 km/h sind mir dann aber doch zu wenig und ich halte weiter Richtung Süd-West achte dabei aber darauf, östlich des Elstertals zu bleiben. In dem feuchten Flussgebiet erwartet mich sicher nur Saufen, so meine Vermutung.

Luftbild
Wo nur hin? So viel Platz...

So richtig in der Gegend auskennen, welche ich mittlerweile überfliege, ist auch nicht. Irgendwann taucht eine größere Stadt am Horizont auf und da bin ich mir sicher, dass es sich um Zeitz handelt. Nächstes Ziel also Zeitz und nicht unter 1000 sonst wird es wieder so holprig...

Der Plan geht richtig gut auf. Nie komme ich unter die 1000 und bin zwischendurch auch mal wieder an der Basis ohne dafür lange nach einer Thermik suchen zu müssen. Ich nehme einfach mit, was so auf dem Weg liegt und das Leben ist im Moment für mich einfach nur schön! Am Stadtrand von Zeitz eine Gartensparte, über der ich wie erwartet auch wieder gutes Steigen finde. Irgendwie will es mir aber nicht gelingen dieses bis zur Basis auszukurbeln. Ich falle luvseitig heraus und finde es dann nicht wieder. Irgendwie schwächelt die Konzentration wohl so langsam, bin ich doch mittlerweile über 1,5 Stunden in der Luft.

Neuer Plan, das Krankenhaus mit dem Parkplatz davor und dahinter, ein Stück entfernt, ein paar Windräder als Alternative. Mit 3 m/s Sinken geht es zum Krankenhaus. Aber hier zuckt sich leider nichts. Also ohne langes Rumprobieren weiter zu den Windrädern. Die funktionieren wie erwartet aber es zieht nicht so richtig durch. Kenne ich ja schon! Für cirka 400 m Höhe brauche ich etwa 15 Minuten. Was ist denn nur auf einmal los? Ein Blick auf die Uhrzeit zeigt dann eine mögliche Lösung auf. Nach 18.00 Uhr! Ich denke mal, es liegt einfach an der späten Zeit und dem zu erwartenden Ende der Thermik. Also konsequentes Rückenwindfliegen und noch ein paar Kilometer für die Wertung machen.

Ein paar kleinere Orte liegen noch in erreichbarer Entfernung, bringen aber auch kein Steigen mehr. Meine Flugrichtung geht nun direkt in das Elstertal. Über der Ortschaft Ossig gelingt es mir dann noch mal, knapp 80 m Höhe zu gewinnen, bevor scheinbar endgültig Schluss sein und das finale Abgleiten mit gleichzeitiger Suche nach einer schönen Landestelle beginnen sollte. Diese find ich auch bald und gleite so nicht ganz bis zu den Ufern der Elster. Schließlich möchte ich den Berg ja nicht wieder hoch laufen.

Bei fehlendem Wind am Boden und reichlich Platz erspare ich mir eine großzügige Landeeinteilung und so stehe ich nach 2:20 h in der Luft wieder am Boden - allerdings nur kurz. Denn just aus dem Gurtzeug geschlüpft folgt sogleich ein Luftsprung. Wat mut, dat mut...

Landung
Kalle auf der Wiese


Und was kommt jetzt noch? Zunächst Kalle in den Sack packen, das Handy einschalten und mit dem eingebauten Navi mal genau bestimmen wo ich eigentlich bin. Ah, der Christian hat versucht mich anzurufen, sehe ich bei der Gelegenheit. Ich ruf zurück und kann mich über ein Abhol-Angebot freuen. Er sammelt gerade Thomas in der Nähe von Pegau ein. Danach kommen die beiden zu mir nach Dietendorf und holen mich hier ab. Anschließend geht es mit dem Rückholtrupp noch nach Freyburg, um Torsten den Tagesbesten einzusammeln...

Rückholer
Alle eingesammelt!

Die Flugdaten:

Startplatz: Böhlen
Datum: 19.07.2010
Start: 15.54 Uhr Landung: 18.14 Uhr
größte Höhe: 2084 m MSL Höhenzugewinn gesamt: 5362 m
XC-Strecke: 38,2 km XC-Wertung: 57,34 Punkte Freier Flug