14. Gleitschirm-WM | Roldanillo, Kolumbien

Vom 10. - 25. Januar treffen sich in Südamerika 150 Piloten, um ihre Beste/ihren Besten zu ermitteln.

Gelegen am Äquator, herrscht vor Ort ein für die Tropen typisches Tageszeitenklima (die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind größer als zwischen den Monaten). Die Sonne scheint jeden Tag 12 Stunden lang, eine Dämmerung ist quasi nicht vorhanden. Das ist für den gemeinen Mitteleuropäer eine große Umstellung, denn während wir hier in den Sommermonaten lange Sonnenuntergänge geniessen, muss sich der romantisch veranlagte Kolumbianer buchstäblich beeilen, während das Zentralgestirn seine Bahn senkrecht zum Horizont absolviert. 18 Uhr Ortszeit (UTC−5) ist Sonnenuntergang, danach sieht man aktuell in Roldanillo Merkur, Venus und Mars am Westhimmel, während im Osten der Große Hund mit seinem Hauptstern Sirius aufgeht.

Das Departement Valle del Cauca befindet sich in den Anden, genauer zwischen den Bergketten westliche und zentrale Kordillere, entlang des Rio Cauca im Westen Kolumbiens. Mit 962 m NN ordnet sich der Austragungsort Roldanillo in die Tierra Templada ein, dem "gemäßigten Land" mit Kaffee-, Mais-, Tabak- und Zuckerrohrfeldern inmitten tropischer Bergwald-Vegetation. 4 Mio. Einwohner leben in der gesamten Provinz, die nach Einwohnerzahl und Größe mit dem Bundesland Sachsen vergleichbar ist.



Distanzen Roldanillo - ...
- Provinzhauptstadt Cali = 112 km (S)
- Medellín = 250 km (N)
- Bogotá = 250 km (O)

Übrigens: Das Auswärtige Amt warnt allgemein vor Reisen in die Grenzregionen zu Ecuador, Peru, Panamá und Venezuela sowie speziell u.a. vor dem Departement Chocó im Westen des Valle del Cauca. Drogenbanden und die FARC-Guerilla stellen dort für ausländische Besucher nach wie vor eine große Bedrohung dar, wenngleich die letzte medienwirksame Entführung schon 13 Jahre zurückliegt und offiziell seit 3 Jahren keine Menschen mehr von der FARC gekidnappt werden.


Nach der feierlichen Eröffnung am Sonntag und einem 64 km-Trainingstask am Montag fand vorgestern nun die erste Aufgabe der diesjährigen WM statt.

VIDEO Task 1 - 88 km

VIDEO Task 2 - 106 km

Am Morgen eines jeden Tages bestimmt das Taskkomitee (die Piloten Felix Rodriguez und Julian Colonia) anhand der prognostizierten Wetterentwicklung (Windstärke, Windrichtung, Wolkenbedeckung, Niederschlagswahrscheinlichkeit, Labilität) einen Task für den Tag. Dieser beinhaltet meist mehrere Wendepunkte, die von den Piloten angeflogen werden müssen. Um jeden Wendepunkt wird ein virtueller Zylinder gelegt, dessen Durchmesser in der Größe zwischen wenigen hundert Metern und wenigen Kilometern variieren kann. Beim Briefing vor dem offiziellen Start programmieren die Piloten ihre Fluginstrumente, um anschließend in der Luft anhand der Koordinaten möglichst schnell die vorgegebene Strecke abfliegen zu können. Interessante technische Hilfen wie Endanflugrechner, nötige Abflughöhe, akustische Informationen beim Erreichen der Zylindergrenzen usw. erleichtern das Fliegen enorm. Trotzdem gibt es nach wie vor kein Gerät, das zuverlässig die nächste Thermik anzeigt. :-)

Gleitschirmfliegen bleibt die Kunst, das Unsichtbare zu lesen und anhand von Orographie, Wolken sowie anderen natürlichen Informationen aufsteigende Luftmassen zu finden - und zu nutzen. Insofern kommt es nicht selten vor, dass die direkte Luftlinie zwischen zwei Wendepunkten fliegerisch nicht machbar ist, beispielsweise weil im Flachland die Aufwinde schwächeln oder man für die Querung eines Gebirgszuges anderswo die nötige Höhe "tanken" muss. Wir Gleitschirmflieger jagen dabei stets den "Bärten" hinterher - in unserem Jargon das Synonym für aufsteigende Luft oder kurz: Thermik.

Das deutsche Team: Yvonne Dathe, Thomas Ide, Andreas (Pepe) Malecki, Martin Petz, Ulrich Prinz, Torsten Siegel, Marc Wensauer
Teamchef: Harry Buntz
Assistentin: Birgit Selbherr

Um besser zu verstehen, wie eine Flugroute inkl. Thermikkreisen ausschauen kann und speziell wie "schnell" die modernen Hochleistungsgleitschirme sind, hier der Link zum Flug von Thomas Ide am ersten Wettkampftag.

Tägliche Live-Berichte der deutschen Piloten auf dhv.de

14th FAI World Paragliding Championships

 

Schöne Weihnachten und ein gesundes neues Jahr

Der Luftsportverein Neuseenland Leipzig e.V. wünscht seinen Mitgliedern, deren Familien sowie allen Freunden und Unterstützern eine gute Zeit zwischen den Jahren.

Auf ein erfolgreiches (nicht nur Flug-)Jahr 2015!

Weihnachten_Silvester_2014

 

Ins wilde Herz des Pamirs

Stefan Bocks ist ein wahres Flieger-Original. Sämtliche Eigenschaften, die man uns Gleitschirmpiloten gern nachsagt, finden sich in seiner Person vereint: Ausdauer, Beharrlichkeit, Courage, Draufgängertum, Entdeckerlust, Freiheitsliebe.

Im Juli 2013 startet der heute 45-Jährige und zweifache Vater ein wahrlich beeindruckendes Walk-and-Fly-Abenteuer im fernen Asien. Ohne Supporter legte er fliegend und zu Fuß innerhalb von 14 Tagen 1.000 km von Dushanbe (Tadschikistan) zum Yssykul-See (Kirgistan) zurück. Der mehrfache deutsche Streckenflugmeister und erfolgreiche X-Alps-Pilot (2001: Platz 3, 2005: Platz 5) durchquerte dabei einige der unwirtlichsten Fels- und Gletscherregionen der Welt wie das Tien Shan und Pamir-Gebirge.

Die Dokumentation erfolgte mithilfe zweier GoPro-Kameras und insgesamt 170 GB Film- und Fotomaterial, die Kommunikation mit der Heimat über das Satellitentelefon.

Jetzt ist endlich "Into the wild heart of the Pamirs" fertig und in voller Länge auf Vimeo verfügbar - eine inspirierende, mitreißende Reisedokumentation.

Ein paar Auszüge aus seinem Tagebuch:

18.07.2013
[...] Das Hochtal wird nun kontinuierlich auf 4.500 m ansteigen, um über einen der höchsten Pässe der Seidenstraße, dem 5.000 m hohen Kokuibelpass in das Hochtal des Karakulsees abzufallen. Der 150 km lange Umweg ist zu Fuß nicht unter einer Woche zu bewältigen - vorausgesetzt die provisorisch angelegten Seilbrücken sind nicht durch Muränen, Erdbeben oder Lawinen zerstört worden. Für diese Woche habe ich die Notnahrung dabei, da diese Gegend ohne jegliche Zivilisation ist. [...]

20.07.2013
Die Laune ist am Morgen nach einem Kaffee schon etwas besser. Nach 3 Stunden erreiche ich die erste Grenzstation. Schäferhunde kündigen mich bei den genervten Grenzsoldaten an. Ohne russische Sprachkenntnisse fällt die Konversation entsprechend knapp aus, trotzdem bekomme ich Wasser aus einer Regentonne spendiert. [...] Jetzt befinde ich mich in einem Niemandsland, da der kirgisische Grenzposten ca. 15 km weiter unten im Tal liegt. Als ich außer Reichweite der Grenzsoldaten bin, starte ich von der Passstraße und versuche den auffrischenden Wind zu nutzen. In der Nähe der chinesischen Grenze erreiche ich die Basis und gleite Richtung Kirgistan ... die Landung erfolgt wegen des mittlerweile doch zu starken Windes unmittelbar in einem Seitental. Ich muss also wieder zu Fuß weiter und kann beim Abstieg in der Einsamkeit sogar Schneeleopardenspuren entdecken. [...]

23.07.2013
Nach dem ausgiebigen Frühstück mit gefühlten 5 l Kümüs im Magen steige ich im Schatten auf den Startberg. Wege in die Berge gibt es quasi keine - mit Glück findet sich ein Ziegenpfad. Die ersten Kilometer geht es im Flug gut voran, dann nimmt der Wind zu und ich muss kurz zum Pinkeln einlanden. Nach dem weiteren Start werde ich stark versetzt und vom Kurs abgedrängt. [...]

24.07.2013
Die Nacht war saukalt und unruhig. Ohne Isomatte schläft es sich auf dem Bett aus Granitfelsen nicht besonders komfortabel, noch dazu wird das Zelt wieder einmal auf Sturmtauglichkeit getestet. Ich suche in dem Felslabyrinth den vermeintlich besten Startplatz. Weiter unten im Tal kann ich eine Truppe Leute sehen, gleich daneben eine rote Fahne ... es ist Zeit zum Starten! [...]

27.07.2013
Ein Schauer am Morgen lässt mich am Startplatz noch etwas abwarten. Der Weg hierher war einfach, da meine gesamte Ausrüstung mit dem Pferd hochtransportiert wurde. Ich spüre, meinem Ziel näher zu kommen und genieße die Ruhe. Der Flug schien bereits im nächsten Tal zu enden, dann, wie so oft unverhofft, ein schwacher Bart tief unten im Schatten und ich kann so bis auf 40 km zum Yssykul-See heranfliegen. [...]

(Quelle der Zitate aus dem Tagebuch: DHV-info Nr. 186 S. 14 ff)

Stefans Blog

 

Nikolaustag

Was wir uns zum Nikolaus wünschen? THERMIK!

 

1. Grimmaer Airlebnistage 02. - 05. Oktober 2014

Liebe Piloten, liebe Gäste,

wir sind zu Gast bei den 1. Grimmaer Airlebnistagen auf den Muldewiesen bei Nerchau und freuen uns auf einen goldenen Oktoberstart mit hoffentlich vielen Flügen, netten Gesprächen, Musik und Ballonglühen.

Wer ist dabei?

1. Grimmaer Airlebnistage

UPDATE (01.10.)

Zeitplan Nerchau 03. - 04.10.

Freitag:
9 - 16 Uhr Windenschlepp, kurzzeitige Unterbrechungen für Hubschrauberrundflüge
16 Uhr Spätstarts der Ballons
20 Uhr Brennerparade

Samstag:
9 - 16 Uhr Windenschlepp, kurzzeitige Unterbrechungen für Hubschrauberrundflüge
16 Uhr Spätstart der Ballons
17 Uhr Live-Band
20 Uhr Ballonglühen
20.45 Uhr Feuerwerk
ab 21 Uhr Live-Band

BERICHT (05.10.)

Eine Veranstaltung für verschiedene Luftsportarten an der Mulde? Ob wir da mitmachen wollen? Ja, selbstverständlich!
Auf Einladung von Fliegerfreunden aus Taucha und Leipzig beteiligte sich unser Verein sowohl am Freitag, dem Tag der Deutschen Einheit, als auch am Samstag am Programm in Nerchau bei Grimma.

Zentraler Bestandteil dieser geglückten Premiere waren zahlreiche Ballonfahrer aus nah und fern, die von Donnerstag bis Sonntag jeweils zweimal täglich zu PassagierFAHRTEN abhoben. Tagsüber nutzten das große Gelände die Kinder zum Drachensteigen, die Modellflieger, ein Hubschrauber aus Thüringen für Gästeflüge ... und die Gleitschirmpiloten des LSV Neuseenland Leipzig e.V.

Man hatte uns eine Schleppstrecke in die saftig grüne Muldenaue gemäht, sodass prinzipiell nur die Winde aufgestellt und gestartet werden musste. In etwa 80 Metern Entfernung neben dem Windenstellplatz befand sich der Start- und Landebereich des Hubschraubers. Ein Problem? Nein. Denn Flugfunk und die vorherige Absprache der jeweiligen Flugrouten zwischen uns Piloten erlaubte einen unkomplizierten und angenehm stressfreien Parallelflugbetrieb. Wir haben das schon anders erlebt...

Den Autor dieser Zeilen eingeschlossen waren am 4. Oktober ab 11 Uhr 7 Piloten anwesend, um die Gleitschirmfliegerei den geschätzt 2.000 Gästen auf dem Areal unterhalb von Nerchau vorzustellen. Tatsächlich erhielten wir etliche Anfragen zu unserem Sport bzw. für Tandemflüge. 22 sichere Starts und Landungen wurden bis in den Nachmittag hinein absolviert, dank eines strammen Südostwindes trotz relativ kurzer Schleppstrecke bis in Höhen von über 200 m NN.

Besonders schön war der Anblick zweier gleichzeitig in der sanften Thermik über dem Platz kreisender Schirme gegen 16 Uhr. Auf die sich bereits abkühlende Wiese mit kälterer Luft, legten sich nämlich wärmere Luftmassen von den Feldern des Umlands außerhalb der Talsenke. Innerhalb der wärmeren Luft konnten 15 und mehr Minuten Flugzeit und der weite Blick ins Muldenland genossen werden. Die Passagiere des Helikopters erhielten ihrerseits lediglich max. 10 Minuten Flugzeit - für 35 Euro pro Nase. ;-)

Der LSV Neuseenland Leipzig e.V. bedankt sich bei Ronny "Propellermann" Schäfer aus Taucha für die tatkräftige Unterstützung und Bereitstellung seiner Schleppwinde sowie bei der Agentur "obenauf Veranstaltungsgesellschaft mbH" aus Leipzig für die Einladung. Wir fliegen 2015 gerne wieder an der Mulde!