German Flatlands 2009 in Altes Lager

Am Montagmorgen (es ist der 03. August 2009) sind wir pünktlich zur Einschreibung für den Wettkampf in Altes Lager angekommen. Da der Wetterbericht kein Flugwetter für einen Task prophezeite, wurde per Fahrrad in Ruhe die Gegend erkundet und eingekauft. Am späteren Nachmittag konnten sogar die ersten Schnupperflüge für unsere Rookies in diesem (für sie) neuen Fluggelände über die Bühne - pardon - das Seil gehen.

Unser Team aus dem Neuseenland bestand aus 6 Wettkampfteilnehmern (Thomas, Torsten, Knut, Hans-Jürgen, Frank, Christian) und unzähligen Helfern. Okay, als da wären: Denise, Peggy, Hartmut, Jens, Sven, Thomas 110, Thomas "Wiki" Pantzer, Christian, jemanden vergessen?

Task 1 (04.08.2009)

Das Neuseenland XC-Team

Heute wurde eine Strecke über 60,8 km bis Doberlug-Kirchheim mit einem Wendepunkt bei Dahme (33,6 km) ausgeschrieben. Wind mit 10-15 kt aus NW machte wenig Spaß beim Starten (nicht zuletzt, weil die Schleppstrecke in O-W-Richtung verläuft). Mein erster Start endete dann auch gleich im Maisfeld, weil der Schirm gegen den Wind wie eine Boje ankämpfte und quasi senkrecht dem Boden näher kam. Interessant, wie relativ leicht es doch ist, mit kompletter Fliegermontur den Schirm im Feld zu raffen und - diesen dann als Paket vor der Brust tragend - zwischen den Reihen hindurch den richtigen Ausgang zu suchen ;-)

Zurück am Startplatz muss man sich wieder für einen Neustart anmelden ... und warten!

Mit dem zweiten Seil war ich glücklicherweise besser unterwegs, wenngleich einem hier jeder Local sagt, nicht unter einer Höhe 1000 m NN abzufliegen. Was soll's, die Bärte wurde sehr stark gen Süden versetzt, was mir die Abflugentscheidung quasi abnahm. Auf meinem Kurs war ebenso Dieter "Max Punkte" Münchmeyer unterwegs, dessen rot-weißer Boom 5 eine nette Orientierung abgab. Gemeinsam quälten wir uns voran. Hinter Welsickendorf verließ mich mein Glück, es ging unweigerlich dem Boden entgegen ... und über ein Waldstück. 100 Meter hinter dem Waldrand hab ich aufgehört, das Bärtchen zu verfolgen und mich stattdessen auf das Verhindern einer Baumlandung konzentriert. Die Bäume rauschten. Starker Wind, ich voll im Beschleuniger mit bangem Blick gen Waldrand und rapide schwindender Höhe. Waaahhh, flieg doch, flieg doch, bitte!!!

Es geht über die letzten Bäume und am Rand einer Wiese 2 Meter im Weizenfeld und 50 Meter vor dem Wald zu Boden. Puuuhh!

Knut, Hans-Jürgen und Thomas hatten heute allesamt mehr Glück mit diesen zerrissenen Bärten und konnten 20, 34 sowie 37 km weit fliegen. Von 49 Teilnehmern sahen heute übrigens 17 das Ziel. Interessant: Gaby Urban gewinnt vor Robert Bernat den Task. Mit einem 1-2er Schirm. Geht doch!

Frank ruft kurz nach der Landung an (er hat es bis zum Dorf vor dem angesprochenen Wald geschafft) und organisiert bereits die Rückholung. Zu fünft quetschen wir uns auf der Rückfahrt so ziemlich alles - und werden nach Ankunft im Fliegerhorst gleich wieder als Abholer auf die Strecke geschickt (*nerv*). Torsten hatte heute leider auch kein Glück: Knapp 14 km standen zu Buche. Dafür schmeckte das Selbstgegrillte am späteren Abend umso besser. Genauso wie Marios A-Schein-Spendierbier. Dankeschön!

Task 2 (05.08.2009)

Bild West-Start

Hach ja. Wohin sollte es doch gleich gehen? Nach Köthen zum Flugplatz (70 km). Trotz verheißungsvollem Wolkenbild war es ein wahres Glücksspiel, den Startsektor mit ausreichend Höhe verlassen und erfolgreich auf Strecke gehen zu können. Hab mich dann zusammen mit 9 anderen innerhalb der Minimumdistanz von 5 Kilometern versenkt, nachdem es in ziemlichem Gegurke tief über Mähdrescher und die ICE-Strecke Leipzig-Berlin ging. Anyway, ich bin ja zum Lernen hier...

Thomas (21,3 km Wertungsstrecke), Frank (18,1 km) und Torsten (12 km) haben heute mit ihren Flügen den Ruf unseres Teams gerettet. Es hat nicht sollen sein - 10 Leute landen innerhalb der Minimumdistanz von 5 km und nur 3 schaffen es ins Ziel. Da hatte unser extra wegen dieses Tasks informierter "Thomas 110" aus Köthen mit mehr Mitfahrern gerechnet.

Task 3 (06.08.2009)

Heute "durften" wir nach Barby an der Elbe fliegen. Eine Aufgabe über 60 km, die von den Besten in deutlich unter 2 Stunden absolviert wurde. Schon Wahnsinn, was die Cracks hier zusammenfliegen ... während man selber noch am ersten Bart bastelt, befinden sich schon welche im Zielanflug! Thomas hatte unter mir Mühe, in den Wolkenfahrstuhl einzusteigen, während es mich mit 3 Metern gen Himmel zog. Warum es dann nach dem Abfliegen leider wieder nichts geworden ist, hab ich in Gesprächen mit heute erfolgreicheren Piloten versucht zu ergründen. Ich bin wohl noch nicht in der Lage, die wirklich entscheidenden Parameter für einen weiten Streckenflug (wie etwa Windversatz, Scherungen, Winddrehung in der Höhe, Relief, Abrisskanten) in ein stimmiges Gesamtbild einzuordnen. Wie sagte doch so schön ein Pilot, als er sich anschaute, wie viele Flüge ich bereits gemacht habe (es sind 30 online)? "Wenn da noch zwei Zahlen davor stehen, wirst du auch im Ziel stehen." Manche sind heute übrigens im Harz gelandet. Im Harz. Gute 2/3 des Teilnehmerfeldes flogen heute ins Goal (32). Robert Bernat gewinnt vor Ralf Kopp, Torsten und Thomas stehen im Ziel und sind abends zwar erschöpft aber zurecht völlig glücklich über ihre Tagesleistung.

Mein Rückweg aus Marzahna funktionierte fifty-fifty mit Trampen und Laufen. Dazu der Diättipp des Tages: 2 Stunden mit einem Gleitschirm auf dem Rücken im Hochsommer laufen, dabei 1 l Apfelschorle trinken und keine Pause einlegen. Entschlackt ungemein ;-)

Bild Landung

Task 4 (07.08.2009)

Es gibt sie doch, die schönen Tage :-)). Bin überglücklich, heute meinen Flug vom vergangenen Jahr fast auf den Kilometer wiedergeholt zu haben. Mit einem Unterschied: Heute war die Landung unfreiwillig.

Ausgeschrieben war ein Task über 106 km bis nach Stendal mit Öffnung des Startfensters (wie in den vergangenen 2 Tagen) um 12 Uhr. Der Wind am Boden war sportlich (so um die 20 km/h), in der Höhe aber nicht stressig. Der Tag der Tage sollte es für Thomas werden! Er wird 3. der Tageswertung und fliegt seinen allerersten Hunderter (104,2 km). Herzlichen Glückwunsch dazu!

Lediglich 9 Minuten länger als Robert Bernat in der Luft, das lässt für die nächsten Jahre hoffen. Schaut man sich die Zeiten des Beginns der "Speed Section" aller Zielflieger des Tages an, stellt man fest, dass von 12.20 Uhr bis 14.20 Uhr die verschiedensten Startzeiten zum Erfolg geführt haben. Ralf Kopp ist 12.25 Uhr aus dem Startzylinder hinaus geflogen, hat das Ziel nach 3:37 h erreicht ... und flog einfach weiter bis kurz vor Hamburg. 213 km Tagesstrecke!!! Ich war spätabends bei seiner Ankunft im Alten Lager noch wach und konnte gleich persönlich zu dieser tollen Leistung gratulieren.

Nach einer Landung von Robert Bernat (er hatte am ersten Seil nichts brauchbares gefunden) startete ich circa 30 Minuten später als letzter der Startstelle "Mitte". Ausklinken, piepen, kreisen, sich freuen. Nach dem 10 km Fußmarsch von gestern, der Maisfeldlandung am ersten Tag und der vergeigten Route Richtung Zerbst, hatte ich heute von Anfang an ein gutes Gefühl in der Luft. Die Wolken saugten zuverlässig und auch die Gleitstrecken zwischen den Bärten waren nicht allzu weit. An der A9 hat es mich dermaßen in die Höhe gepoppt, dass es schier unendlich so hätte weitergehen können ... 5 Meter Steigen direkt über der Autobahn, die sich wie eine Ameisenstraße durch die Landschaft zieht. Aus 800 m hat mich der Bart bis auf 1500 m gebracht. Dankeschön. So ging es dahin bis Lüsse (Segelflugplatz) und dann leider nur noch abwärts. Dieser Sch***funkmast. Ver*****, ich hätte ihn gleich anfliegen sollen! Gelandet bin ich diesmal wieder im Maisfeld (die Pflanzen waren aber bloß 1 m groß :-)) und konnte noch den vergeblichen Kampf von Bettina beobachten. Gemeinsam ging es per Bus nach Treuenbrietzen und von dort per Rückholer zum Alten Lager.

Das Tagesergebnis zum 4. Task kann sich durchaus sehen lassen. 9 Zielflieger, meine Wenigkeit steht ausnahmsweise nicht auf der letzten, sondern heute mit auf der ersten Seite, Torsten und Knut ebenso auf Strecke. "Seuchenjahr" mögen manche aus unserem XC-Team nach dem letzten Task gedacht haben. Kopf hoch! Fliegen ist viel zu schön, als dass man sich über den einen oder anderen verlorenen Kilometer zerfleischen sollte.

Im Gesamtergebnis der Landesmeisterschaft Ost belegt Thomas den 6. von 22. Plätzen - so kann es weitergehen. Manche Heldentaten vollzogen sich ganz still abseits des Wettkampfgetümmels nach Beginn der Freifliegerei ... Thomas "110", Thomas P., Philipp, Jens und Hartmut flogen teilweise nachmittags noch Strecken von knapp 20 Kilometern. Toll!

Nicht zuletzt deswegen, werden wir alle im nächsten Jahr wieder ins Alte Lager kommen. Dann hat der Luftsportverein Neuseenland mit Sicherheit des größte XC-Team in der Luft und die beste Helfergruppe von allen am Boden.

Wir freuen uns darauf!