Ich bin nun schon seit einigen Tagen in Australien und hier nun ein kleiner Überblick, wie ich das fliegen Down Under  bisher erlebt habe. Kaum mit dem Flieger in Brisbane angekommen ging es vom Flughafen aus gleich weiter mit dem Zug nach Nerang wo ich von einem Flieger-Kollegen abgeholt und nach Canungra gebracht wurde. Abends ging es dann gleich zum gemeinsamen „all you can eat” Pizza essen. Am folgenden Dienstag sollte es auch gleich los gehen. Das Briefing war zunächst für 8:30 Uhr im Cafe Metz angesetzt, wurde dann allerdings stundenweise verschoben bis schließlich um 12 Uhr die Task für den Tag endgültig gecancelled wurde oder wie die Aussies sagen ”Task is canned”. Uff! Das war ein Wechselbad der Gefühle. Ich war richtig froh, dass ich am ersten Tag nicht gleich fliegen „musste”. Am Mittwoch ging es dann genau so weiter, alle wurden schon richtig ungeduldig und der Lagerkoller begann um sich zu greifen. Dann endlich am Mittwoch war das Wetter vielversprechend und so verbesserte sich auch die Stimmung. Beim Briefing um 8:30 Uhr wurde zu meiner Überraschung allerdings nur die Abfahrtszeit der Busse bekannt gegeben. Noch nicht einmal zu welchem der 4 möglichen Startplätze wir fahren würden haben die beiden Organisatoren verraten. Na dann nichts wie los, Gleitschirm in den Anhänger und ab in den Bus. Nach 20 min. halten wir an und ich versuche erstmal herauszufinden wo wir denn nun eigentlich sind - Bechmont - aha! Sagt mir sowieso nicht viel aber mein GPS wird sich doch hoffentlich schon auskennen. Versuche erstmal einen professionellen Eindruck zu hinterlassen und ziemlich genau das zu tun, was die anderen Piloten auch tun. Auspacken, Schirm auslegen, einhängen und dann natürlich noch mindestens 3x auf die Toilette bevor es los geht.

briefing

Für 9:45 Uhr ist jetzt, wie ich erfahre das eigentliche Briefing angesetzt. Mit dem GPS bewaffnet stelle ich mich zu den anderen und blicke ganz gebannt auf das Task Board. Mein einziger Gedanke ist, hoffentlich schaffe ich es die Wendepunkte auch einzugeben und richtig super wäre es, wenn die Reihenfolge auch noch richtig wäre. Kaum ist das Task Board enthüllt und das Geheimnis gelüftet piepst es auch schon wie wild um mich herum. Jeder hackt wie wild die Wendepunkte bzw. das Ziel in sein GPS. Na dann mal los. Zu meinem Glück ist heute erst einmal nur der Start und das Ziel einzugeben und so zeigt sich zu meiner Freude auch im Karten Modus eine Linie. Schnell nochmal links und rechts gespickt ob die Richtung meiner Linie mit der der anderen auch übereinstimmt - yes!

Taskboard

Jetzt nichts wie zurück und ab ins Gurtzeug, Helm auf und in der Reihe anstellen. Vor dem offiziellen Start bei welchem man nach einer vorher festgelegten Reihenfolge starten muß (wäre ganz am Ende dran gewesen), gibt es ein 10 minütiges „open window” wobei alle die sich angestellt haben in dieser Reihenfolge starten dürfen sofern dieses in den vorgesehenen 10 Minuten erfolgt. Ich hatte einen Tip bekommen und mich natürlich auch gleich angestellt. Jetzt bitte keinen Blödsinn machen und nur nicht mit dem Schirm am Startplatz herumeiern. Nichts wie raus! Airborn, das hat schon mal geklappt und jetzt nur nicht gleich absaufen und im „bomb out” landen. Aber hallo, es geht zum Glück aufwärts und da schon einen ganze Menge Gleitschirme in der Luft sind fliege ich zunächst mal immer dorthin wo es gerade hoch geht. Das fühlt sich gut an mit 70 anderen Piloten in der Thermik zu kreisen. Zu meiner Überraschung kreisen alle ganz brav in der vorher festgelegten Richtung.

Start

Dann teilt sich das Feld plötzlich und die erste Gruppe fliegt in Richtung Norden. Ich bleibe erstmal wo ich bin und kreise weiter, bis sich wieder eine Gruppe löst, diesmal in westlicher Richtung. Ich hinter her. Da die meisten Schirme etwas schneller unterwegs sind, habe ich so meine Mühe mitzuhalten aber es hat den Vorteil, dass ich die Jungs vor mir sehe und damit auch wer steigen bzw. saufen hat. So überquere ich dann 2 Täler bis ich am Mt. Mohammed ziemlich tief ankomme. Habe mich schon fast damit abgefunden zu landen, da geht es doch nochmal am Berg entlang etwas hoch. Zu dem Zeitpunkt sind noch 2 Schirme in meiner Nähe, die sich aber für unterschiedliche Routen entscheiden. Ich fliege dann dem Bergrücken entlang die etwas südlichere Route und überquere anschließend nicht besonders hoch den Bergrücken worauf hin ich gleich mit einigen Klappern bestraft werde und sehr schnell an Höhe verliere. In einiger Entfernung sehe ich eine Farm - ob ich es bis dorthin wohl noch schaffe? Zum Glück wird die Luft wieder etwas stabiler und so rette ich mich bis zur Farm und da ist auch zufällig eine wunderbar freie Wiese daneben. Ich will runter und mache mich zum Landen bereit, da will mein Schirm doch plötzlich wieder rauf. Mir reicht es jetzt aber tatsächlich und so einigen wir uns schließlich doch darauf zu landen. Kaum bin ich am Boden und habe meinen Schirm zusammengerafft nähert sich eine Armada von ca. 15 Kühen und folgt mir ganz neugierig mit geringem Abstand auf Schritt und Tritt bis ich in aller Eile samt Schirm über den Zaun geklettert bin. Nach dem ich alles ordentlich verpackt habe bekomme ich Besuch von der Farm und das nette Angebot bis zur nächsten größeren Straße mitgenommen zu werden. Dort angekommen setzte ich ganz brav meine SMS in Richtung „headquater” ab - „pilot 73 S28*04.997E152*56.079 safe and need retrieve” um dann gleich über den vereinbarten Kanal 21 den „retrieve” Bus anzufunken. Das klappt dann auch ganz prima und keine 10 min. später sitze ich mit einigen anderen Piloten im Bus die anscheinend auch ganz in der Nähe gelandet sind und es geht zurück nach Canungra.

Landung